14. September 2016

sonnen, buzzn oder beegy? Energie-Communities im Vergleich

sonnen, buzzn, beegy und seit Neuestem auch EnBW - sie alle bieten eine Form der Energie-Community an. Strom nicht einfach einspeisen, sondern mit anderen teilen und bei Bedarf selbst profitieren. Aber wie funktioniert das Ganze und wo liegen die Unterschiede? Ein Vergleich.
Die Grundidee der Energie-Communities

Was alle Energie-Communitys gemeinsam haben? Sie wollen Erzeuger und bewusste Verbraucher verbinden – “Strom teilen und intelligent verteilen”, so könnte das Motto heißen. Nicht mehr einfach nur irgendwohin einspeisen und von irgendwo Strom bekommen, sondern am besten Strom aus erneuerbaren und dezentralen Energiequellen. Wenn möglich, sollte man dabei auch sparen und die Energiewende voran bringen. Die vier Konzepte im Vergleich:

buzzn – so funktioniert people power

Für buzzn ist eine echte Energiewende dezentral und “von unten” – deshalb verbindet das Münchner Unternehmen “Stromgeber” mit “Stromnehmern” zu einem Netzwerk. In diesem Netzwerk übernimmt buzzn die Direktvermarktung des Überschussstroms von kleinen Anlagen. Der Unterschied zur normalen EEG-Einspeisung? Der Strom fließt in den buzzn-Bilanzkreis, aus dem die Stromnehmer versorgt werden. Dafür bezahlen diese über buzzn eine Gebühr an die Stromgeber.

 

Wer kann mitmachen?
Mitmachen können sowohl reine Verbraucher als auch Prosumer – also Verbraucher, die gleichzeitig Erzeuger (Photovoltaik, Wind und Blockheizkraftwerk) sind. Beachtenswert: Auch Mieter und Besitzer von Anlagen, die nicht die EEG-Förderung bekommen, können mitmachen.

Photovoltaikanlage, dahinter Sonnenuntergang

Bei buzzn können auch kleine Photovoltaikanlage zur Community beitragen. Photovoltaik von Bernd Sieker / CC BY SA 2.0.

Was kostet das? Was bekommen Erzeugern?

Für Verbraucher kostet Strom (Preise können höher ausfallen je nach Region und Zähler):

  • Min. 23,90 ct./kWh Arbeitspreis
  • Min. 5,30 €/Monat Grundpreis

Erzeuger bekommen:

  • Mindestens einen Cent pro kWh mehr als über die konventionelle Vermarktung beim Netzbetreiber.

Im Gegenzug kommen aber auch Kosten auf den Stromgeber zu:

  • Fernsteueroption und Leistungsmesser müssen, falls noch nicht vorhanden, nachgerüstet werden
  • Für Erzeuger ohne Smart Meter wird zudem ein Grundpreis von 7 € /Monat fällig.

Insgesamt, so Mitgründer Justus Schütze, gleicht der zusätzliche Cent pro kWh die zusätzlichen Betriebskosten im Vergleich zur normalen Einspeisung aus.

 

Fazit

buzzn tritt an, um Überzeugungserzeuger und Überzeugungsverbraucher zusammenzubringen. Und das gelingt auch – Geld fließt nicht mehr vom Netzbetreiber zum Erzeuger, sondern von “Stromgeber” zu “Stromnehmer”. Natürlich mit buzzn in der Mitte. Für Stromnehmer dürfte buzzn nicht teurer sein, für Stromgeber hingegen ist die Größe der dafür Anlage entscheiden, ob Investitionen in die Hardware wieder reinkommen.

sonnenCommunity – Batteriehersteller bietet Gemeinschaft

Die sonnenCommunity vernetzt Erneuerbare-Energien-Erzeuger und Verbraucher. Die Idee: Reststrom kommt aus der sonnenCommunity – das macht zu 100 % unabhängig von großen Versorgern. Außerdem können Community-Mitglieder zusätzlich die sonnenFlat buchen und den Speicher für Regelenergie zur Verfügung stellen.

 

Wer kann mitmachen

Mitmachen können alle Verbraucher – für die sonnenFlat ist allerdings eine Photovoltaikanlage und eine sonnenBatterie mit mindestens 6 kWh nötig. Bestandskunden mit sonnenBatterien brauchen zudem eine Zählertechnik-Nachrüstung – möglich voraussichtlich ab Mitte 2017.

Bei Erzeugern (Biogas, Photovoltaik, auch mit Batteriespeicher, Blockheizkraftwerk, Wind) behält sich sonnen eine technische Prüfung vor – für die vollständige Versorgung der Community ohne Strom von der Börse sind natürlich große Anlagen interessant.

Windräder auf Feld vor Sonnenuntergang

Um die eigene Community mit genügend Strom zu versorgen, bindet sonnen auch Windräder in die Versorgung ein. Bohbeh/shutterstock.com.

Was kostet das? Was bekommen Erzeugern?

Für den Verbrauch:

  • Alle Community-Mitglieder zahlen den Grundpreis von 19,99 €/Monat
  • Wer seinen Speicher auch für Regelenergie zur Verfügung stellt, bekommt kostenlosen Reststrom – allerdings in einem Rahmen, der von der Größe der Photovoltaikanlage und des Batteriespeichers abhängt
  • Wer den Rahmen sprengt oder nicht bei der sonnenFlat mitmacht, zahlt: bis 2.000 kWh/Jahr 23 ct./kWh Arbeitspreis, ab 2.001 kWh/Jahr 25,9 ct./kWh Arbeitspreis
  • Außerdem notwendig für die sonnenFlat: Photovoltaikanlage, Batteriespeicher von sonnen sowie Flatrate-Hardware und Installation für 930 € (letzteres ist für die ersten 2.000 Kunden kostenlos)

Erzeuger bezahlen auch den Community-Grundpreis von 19,99 €/Monat und bekommen:

  • Für Biogas und Wasserkraft garantiert 0,1 ct./kWh mehr als bei regulärer EEG-Einspeisung
  • Für Wind- und Photovoltaikanlagen 0,25 ct./kWh mehr als bei regulärer EEG-Einspeisung

Fazit

Die sonnenCommunity will Kunden von den großen Versorgern unabhängig machen – dafür baut sonnen einen Pool von Erneuerbare-Energien-Erzeugungsanlagen auf. Verbraucher lockt das Unternehmen mit einer so genannten Flatrate und Rabatten für die ersten 2.000 Neukunden – dagegen sollte man den Grundpreis von 19,99 € verrechnen. Für Erzeuger bleibt die Frage spannend, ob auch kleine Photovoltaikanlagen (kleiner als 10 kWp) in die Community aufgenommen werden.

EnBW solar+ – neue Community von etabliertem Hersteller

Mit EnBW springt ein etabliertes Unternehmen auf den Community-Zug auf und wirbt auch mit der Erfahrung und dem Know-how eines Energieversorgungsriesen. In der Community fließt ausschließlich Ökostrom. Neben dem automatischen Strom teilen, wie es alle Communitys anbieten, soll die App auch manuelle Stromgeschenke an den studierenden Sohnemann etwa möglich machen. Außerdem einzigartig unter den Angeboten: Bei negativen Strompreisen an der Börse will EnBW die Batteriespeicher der Kunden kostenlos laden (maximal 600 kWh pro Jahr).

 

Wer kann mitmachen?

Mitmachen können vorerst nur Hausbesitzer in Baden-Württemberg, die eine Photovoltaikanlage und einen Batteriespeicher von EnBW kaufen und installieren lassen. Anfang 2017 soll das Angebot für ganz Deutschland verfügbar sein. Zukünftig sollen auch Kunden ohne eigene Erzeugunganlage Mitglieder werden können, ein Datum gibt EnBW dazu noch nicht an.

 

Was kostet das?

Für den Verbrauch:

  • Alle Community-Mitglieder zahlen einen Grundpreis von 20 €/Monat
  • Für Reststrom aus der Community werden ca. 20 ct./kWh fällig

Im Gegenzug bekommen Community-Mitglieder:

  • höhere Vergütungen als die EEG-Umlage 12,61 ct./kWh statt 12,31 ct./kWh
  • sogenannte “Stromgeschenke” – die Batteriespeicher in der Community werden bei negativen Strompreisen an der Strombörse kostenlos geladen – maximal 600 kWh/Jahr

 

Fazit

EnBW solar+ bringt Prosumer zusammen und soll auch manuelles Stromtauschen möglich machen – wie genau das geht und ob es aktuell funktioniert, bleibt offen. Wie auch sonnen verlangt EnBW für die Teilnahme an der Community 20 €/Monat und gewährt seinen Kunden dafür aber einen minimal höhere Vergütung für Einspeisungen und günstigen Reststrom. Die Stromgeschenke dürften viele Batteriebesitzer freuen, auch wenn sie in Puncto Kosten wenig ausmachen – selbst in der EnBW-Beispielrechnung liefern sie nur einen kleinen Teil der Einsparung.

Außerdem wichtig zu wissen: Im Konfigurator und den Beispielrechnungen von EnBW bleiben die Investition für Photovoltaikanlage, Batteriespeicher und zwei Wechselrichter außen vor.

beegy – Community mit umfassendem Service

Bei seinem Community-Angebot setzt beegy auf Service: Das White Label Paket Flatrate & Community bringt den Endkunden der White Label Partner Zugang zur Community, bis zu 20 Jahre Garantie auf alle Komponenten und eine Stromflatrate. In der Community sorgen dezentrale Kleinkraftwerke für Strom, insbesondere Photovoltaikanlagen auf Privathäusern. Sollte das nicht ausreichen, wird bei beegy Strom aus österreichischer Wasserkraft zur Verfügung gestellt.

Schild mit "Share"-Aufschrift

So könnte das Motto der Energie-Communities heißen: Energie intelligent verteilen, sich gegenseitig helfen. meineresterampe / pixabay.

Wer kann mitmachen?

Die Eintrittskarte in die Community ist der Abschluss eines Vertrags mit einem White Label Partner. Wichtig dabei: Endkunden brauchen dazu einen dezentrale Erzeugungsanlage z.B. Photovoltaikanlage oder Batteriespeicher.

 

Was kostet das?

Die Preisgestaltung bei der Community liegt bei dem jeweiligen White Label Partner von beegy. Empfohlen wird allerdings eine fixe monatliche Gebühr und die individuell je nach Anlagengröße und Verbrauch berechnet wird. Als Faustregel sollte gelten:

  • eine Anlage (umgelegt auf 20 Jahre) + monatliche Service-Gebühr kosten nicht mehr als aktueller Strombezug beim Grundversorger
  • bei entsprechender Kombination von Anlage und Verbrauch kann die monatliche Gebühr bis auf 0 fallen
  • Smart Meter, Hub usw. sind im Paketpreis schon enthalten

Fazit

beegy und seine White Label Partner setzen auf Service und Prosumer – Interessierte, die nur Strom beziehen, bleiben außen vor. Mit den umfassenden Services – Garantie, Flatrate, Monitoring – teilen die Community-Mitglieder nicht nur Strom, sondern haben auch langfristige Planungssicherheit.

Energie-Communities – Die Zukunft der Energiebranche?

Was verbindet alle Energie-Communities? Die Idee, Strom nicht mehr ins graue Netz einzuspeisen, sondern bewusst unter gleichgesinnten Mitgliedern zu verteilen. Womit kämpfen alle? Zuerst lässt sich eine Community in der Energiewelt, wie so vieles Technische, schwer nahebringen, auch wenn die Gemeinschaft eine gute Erklärhilfe ist. Zum anderen sind noch regulatorische Hürden im Weg – etwa beim Einspeisen von Strom, der in Batteriespeichern zwischengespeichert wurde. Schließlich muss jedes Angebot drei große Anforderungen erfüllen: Fair sein, verständlich und wirtschaftlich.

Mehr zum Thema:

Share Economy in der Energiewelt – airbnb und car2go für Strom?
Die Stromflatrate – so wird Strom umweltfreundlich und spottbillig

Quellen:

pv-magazine:

Interview Buzzn: Sharing Economy für Solarstrom

Fragen und Antworten zur Sonnen-Community

Wie die Sonnencommunity im Detail funktioniert und Batteriespeicher nutzt

 

buzzn.net

sonnenbatterie.de

caterva.de

lichtblick.de

blog.stromhaltig.de

Klaus Müller
Redakteur
Sie wollen Ihren Kunden eine Community anbieten? Sehen Sie sich das White Label Angebot von beegy genauer an.

1 Kommentar

Stromflatrates und Communitys - Mitglieder sollen Strom teilen - stromflatratevergleich.de 15. Februar 2017 | 11:37

[…] übersichtlichen Vergleich zu Energie-Communitys liefert der beegy […]

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